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Der US-Konsument im Schuldturm - Update März 2006

Wir beobachten die wirtschaftlichen Ungleichgewichte auf der Welt seit Jahren schon mit Besorgnis, insbesondere die Kreditaufnahme der USA gegenüber dem Rest der Welt. Die USA sind weltgrößter Kreditnehmer. Schon im Jahr 2002 erreichte das Kreditniveau mehr als das 3-fache der jährlichen Wirtschaftleistung, des Bruttosozialprodukts der USA (GDP).  Im Ergebnis  liegt die amerikanische Verschuldung (Summe aus Privatverschuldung, Staatsschulden und Unternehmensschulden) im Verhältnis zum Bruttoinlandsproduktprodukt auf dem höchsten Wert aller Zeiten - deutlich über dem Spekulationsexzess des Jahres 1929.

 

Die wesentlichen Treiber der Kreditpyramide sind:

- Staatskonsum gerade auch im Militärbereich; das Defizit des US-Bundeshaushalts liegt mit rund 5% deutlich über den Maastricht-Kriterien

- Massive Konsumschulden des amerikanischen Verbrauchers

Der US-Amerikaner wechselt durchschnittlich im Laufe seines Lebens 6 mal das Haus. Den größten Posten des amerikanischen Immobilienmarktes machen daher umsatzmäßig die Verkäufe gebrauchter Häuser aus. Dazu kommen die Neubauten. Sowohl Anzahl wie Preise für beide Gruppen stiegen in den letzten Jahren deutlich an, von 700 Mrd. USD auf aktuell rund 2 Billionen USD, eine Verdreifachung in 8 Jahren!

Sowohl wurden die Käufe massiv mit Kredit finanziert, als auch auf dem Altbestand Kredite aufgenommen (steigende Bewertungen machten es möglich) um z.B. höher verzinsliche Kreditkartenschulden zurückzuzahlen.

Als Folge hat sich trotz massiv gestiegener Hauspreise der Anteil des Eigenkapitals (Home Equity) am Marktwert eines amerikanischen Hauses (Home Market Value) deutlich verringert. 

Statt bei 70% wie Anfang der 80er Jahre liegt die Eigenkapitalquote aktuell nur noch bei 57%. Von einem durchschnittlichen Haus mit aktuellen Kaufpreisen von USD 260 000,- sind also 57% Eigenkapital, rund USD 150 000,-. Entsprechend ist dieses mit USD 110 000,- Kredit belastet. Das Problem dabei: Das auf den ersten Blick unproblematische Eigenkapital-Kredit-Verhältniss wird sofort bedenklich, wenn man einen Rückgang der Häuserpreise auf das Niveau von vor 5 Jahren unterstellt. Dann ergibt sich nämlich bei USD 160 000 Wert und USD 110 000 Schulden nur noch ein Eigenkapital von USD 50000. Dies wohlgemerkt im Durchschnitt aller Häuser. Da sich der Mittelwert allerdings aus unbelasteten und vollfinanzierten sowie natürlich teilfinanzierten Objekten ergibt, würde sich - auch nur einen teilweisen Rückschlag in Richtung des Preisniveaus von 1996 unterstellt - eine massive Krise ergeben. Wie sind die Chancen dafür? 

Aufgrund des künstlich durch die US-Zentralbank in 2003 niedrig gehaltenen Kurzfristzinssatzes mit einem Zentralbankzins von 1% wurden eine Vielzahl von Häuslebauern und -käufern dazu animiert kurzfristig zu finanzieren, typisch mit variablen Konditionen. Aktuell sind 25% aller Immobilienkredite mit variabler Festschreibung ausgestattet, d.h. der Zins schwankt mit dem Zentralbank-Kurzfristzinssatz. Zusammen mit den sowieso variablen Kreditzinsen für Kreditkartenüberziehungskredite und Kontenüberziehungskredite hat der amerikanische Verbraucher heute nicht nur mehr als das Doppelte an Schulden gegenüber dem Stand vor 10 Jahren, sondern diese Zinsschuld ist auch noch erheblich kürzer finanziert. Das größte Problem sind dabei die Sub-Prime-Lender, Schuldner minderer Bonität, die dann typisch auch nur kurzfristige Kredite erlangen können und ihre Immobilien häufig hoch finanziert haben. Der jüngste Zinsanstieg (Jahresmitte 2004 bis 1. Quartal 2006) hat dazu geführt, dass die Kurzfristzinsen deutlich gestiegen sind. Statt 1% wie im Tief liegt der FED-Zinssatz nach 15 Zinserhöhungen in Folge jetzt bei 5%, die Soll-Zinssätze für erstklassige Schuldner (Prime Rate) bei 7%, und schlechtere Schuldner müssen schon bis zu 10% bezahlen. 

Eine steigende Kreditaufnahme auch gegen inflationierte Immobilien als Sicherheit wäre an sich nicht ausreichend negativ, wenn diese investiv verwendet worden wäre, damit ein zusätzliches Einkommen geschaffen worden wäre, das den Kredit selbst zurückzahlen kann. Gerade dies ist jedoch nicht der Fall. Vielmehr schwächt sich seit 2000 der Einkommenszuwachs der privaten Haushalte massiv ab, während gleichzeitig die Kredite mit verstärkter Wachstumsrate stiegen. Es wurden also Kredite aufgenommen um den mangelhaften Einkommensanstieg auszugleichen und das Lebens-/Konsumniveau halten zu können.

Diese gefährliche Tendenz dürfte sich auch wieder verstärkt bei den Sub-Prime-Lenders finden. Zusammengefasst: Die US-Konsumenten haben seit 2000 mangelnden Anstieg der persönlichen Einkommen durch Kreditaufnahme ersetzt, eine Strategie, die durch zurückgehende Zinsen zeitweilig ermöglicht wurde. Jetzt liegt die FED-Funds-Rate, der Zentralbank-Zinssatz mit 4,75%  genau dort, wo sie auch im November 1998 lag. Oder auch im März 2001.  Die Verschuldung des Konsumenten hat sich seitdem verdoppelt  von knapp über 5 Billionen USD 1999 auf rund 10 Billionen USD aktuell. Damit verdoppeln sich zwangsläufig die Zinskosten gegenüber dem Jahr 2000 ohne dass sich Vermögen oder Einkommen in den letzten fünf Jahren verdoppelt haben. Entsprechend hat sich die Bonität der amerikanischen Haushalte massiv verschlechtert. Setzt sich diese Entwicklung - bei steigenden Zinsen schneller - fort, dann wird auch in der Breite schnell der point of no return erreicht, nach dem einfach aufgrund des Zinseszinseffektes eine Insolvenz unausweichlich ist. 

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